Geschichte

Der Ansitz Wiespach gehört zu den Bauten, die ihre Entstehung strategischen Gesichtspunkten verdanken. Er hat die quadratische Turmform Salzburger Burgen des 13. Jahrhunderts bewahrt. Die Lage in der Nähe einer Salzachfurt, die bis ins 19. Jahrhundert mit einer Fähre genutzt wurde, spricht ebenso für eine frühe Gründung wie der Almoder Wiesbach, der Turm und Familie wohl den Namen gegeben hat. Wiespach war ein Ritterlehen, d.h. die Bewohner waren Vasallen des Salzburger Erzbischofs. Die mundartliche Aussprache von Wiesbach lautet Wiespeck. Diese Familie ist schon seit der zweiten Hälfte des 13. Jh. nachweisbar. Bei der ersten urkundlichen Nennung 1434 wird freilich Veit Aschacher mit dem „Sitz Wiespach bey Hallein“ belehnt. Die Witwe seines Sohnes Virgil, Eufemia, verkaufte 1475 das Schloss an Wilhelm Schermer. 1476 erwarb der Pongauer Gewerke Georg Kölderer von Höch und Urstein den Turm. Er wandelte ihn nach dem Stil des ausgehenden 15. Jahrhunderts in einen Ansitz mit je einem Turm an der Ost- und der Westseite um. Kauf und Neubau sind auf seinem Grabstein von 1510 in der Oberalmer Kirche erwähnt.

Schloss Wiespach
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Galerie Schloss Wiespach
1514 –
1601

Bei der Erbteilung zwischen seinen drei Söhnen 1514 erhielt Achaz Kölderer „Wysspach mit aller Zugehörung und Freiheit“. Von den Vormunden seiner Kinder kaufte der Leibarzt von Erzbischof Michael von Kuenburg, Dr. Paul Rettinger das Schloss und wurde am 18. August 1555 belehnt. In den Jahren 1558 und 1562 erhielten seine Kinder Paul, Otto, Heinrich, Egidi und Regina das Lehen. Sie verzichteten am 11. Dezember 1569 zu Gunsten von Herkules Rettinger, der seit 1556 Bischof von Lavant war, auf das Schloss. Da dieser schon im Jahr darauf verstarb, gingen Sitz und Hof an Regina über, die mit Stephan von Oehsenfeld, Stadtrichter in Salzburg verehelicht war. Er hatte 1573 die Lehen für seine Frau erhalten und ließ am 31. Oktober 1586 seinen Sohn Christoph Frankmann nachfolgen. Da dieser keine Kinder hatte, erbte am 3. Oktober 1601 sein Stiefsohn Marx von Giles, erzbischöflicher Kuchelmeister und Pfleger von Glanegg das Schloss.

1620 –
1636

Aus seiner Ehe mit Elisabeth von Grimming ging die Tochter Helena Barbara von Gilles hervor, die am 3.August 1620 mit Wiespach belehnt wurde. 1633 musste sie den Ansitz ihren Gläubigem überlassen. Diese verkauften den Besitz unter Wert um 8.235 fl an den kaiserlichen Oberst Johann Thomas von Prisigell. Aus diesem Anlass wurde 1636 der Wert der Liegenschaft geschätzt. Das Inventar gibt an, das „bemelter Hof Wyßpach, welcher sieh im Grundt auf die 24 Tagwerch Landts weith erstreckht und zum guetten Thaill mit Mauer umbfangen ist samt dem schennen Paumbgartten darbey, so mit edl geschlachtem Obst gepelzt und erziglt, auch mit Mauer umbfangen“ auf 2.400fl angeschlagen wurde. Das „wollgepaute Schlössl, ain Mayrheusel mit zwayen Wohnungen, item das Thorheusl und das newerpaute Heusl am Egg, auch mit zwayen Herbergen, so alles gemaurt, sambt Stadl, Stallungen und anderen darzue gehörigen Wagnhütten“ war 3.000 fl Wert. Bei der Aufzählung des lebenden und toten Inventars wurde Silber-Geschirr und „Capeln-Ornat“, also Ausstattung der Kapelle, um 1.600 fl. erwähnt. Bettzeug und Leinwand, Flachs-, Zinn-, Messing- und Kupfergeschirr, Tische, Betten und Kasten im Wert von 1.200 fl waren vorhanden. Unter dem Viehbestand wurde das wertvolle Schweizer Zuchtvieh besonders hervorgehoben. Zum Gut gehörte außerdem noch der Obermüllstain-Hof im Wiestal, der mit 1.000 fl. Schätzwert dem Kaufpreis eingerechnet wurde.

1639 –
1799

Oberst Prisigell wurde am 10.Mai 1639 belehnt. Da er aber den Besitz nicht gewinnbringend verpachten konnte, verkaufte er ihn zehn Jahre später an Christoph Pauernfeind von Eys, der am 22. Jänner 1648 belehnt wurde. Dieser gab Wiespach an die Brüder Staudacher weiter. Der erzbischöfliche Hofrat Balhtasar Staudacher erhielt das Lehen am 12.Juni 1660 für sich und seine Brüder Elias, herzoglicher Pfennigmeister zu Hall in Tirol, und Franz, lodronischer Pfleger auf Piberstein und Himmelberg in Kärnten. Balthasars Sohn Veit Rupert Staudacher trat das Erbe nach einem Vergleich mit seinen Verwandten am 8.Oktober 1685 an. 1746 folgte dessen Vetter Paris Ignaz Gottlieb Staudacher. Der Feldoberst Leopold Graf Prankh kaufte Wiespach 1760, um es 8 Jahre später an Franz Friedrich von Negri weiterzugeben. Sein Sohn Franz von Negri, Pfleger von Hallein, übernahm 1782, dessen Sohn Raimund 1799.

1816 –
1848

1816 wurde die Versteigerung von „Schloss samt Mayrhaus, Stallung, Stadl, Wagenschupfe, Zimmer, Holz- u. Zaunspelhütte, Brechelbad, Herbergshäuschen von drei Wohnungen, Küchen-, Obst u. Krautgarten, sowie 24 Tagbau Land“ angeordnet.
Nachdem das ehemalige Ritterlehen am 26. April 1815 allodifiziert, d.h. freies Eigen geworden war, ersteigerten es am 28.August 1816 Klement Perger und seine Frau Antonia Simböck. Deren Sohn Klement Perger, Wirt in Hallein, der den Besitz am 13.Juli 1848 übernahm, vermietete den 2. Stock, bestehend aus fünf mit allem Komfort möblierten Zimmern und Salon, sowie Küche u. Keller.

1878 –
1954

Am 11 .April 1878 kaufte Daniel Graf Esterhazy das Schloss. Sein Sohn Franz, der das Erbe am 8.Dezember 1924 antrat, wurde 1926 entmündigt. Seine Kuratoren verkauften zehn Jahre später das Gut an das Ehepaar Franz u. Johanna Steinbacher. Franz Steinbacher wurde 1954 Alleinbesitzer.

1958 –
heute

1958 kaufte die Stadtgemeinde Hallein Schloß Wiespach, die dort nach umfangreichen Umbauarbeiten, in deren Zuge sämtliche Renaissance-Öfen zerschlagen und Marmorböden herausgerissen wurden, eine Jugendherberge und ein großen Freischwimmbad eingerichtet hat. 2006 wurde der Betrieb aufgrund eines Wasserschadens und anstehender Renovierungsarbeiten eingestellt. 2010 wurde Schloss Wiespach vom Ehepaar Gabriela und Claus Spruzina übernommen und grundlegend renoviert.

Schloss Wiespach
Kapelle

Im Erdgeschoss des Hauptbaues ist in Ecklage eine Schlosskapelle untergebracht, die ins Jahr 1607 datiert, und als 2-jochige Stichkappentonne mit Gurtbögen ausgeführt ist. Die Wand zeigt sich in einer Renovierung des späten 18. Jahrhunderts, mit Doppelpilastergliederung und eingeschossiger Empore. Der Altaraufbau ist spätbarock (1. Hälfte 18. Jahrhundert), das Hauptblatt ist eine Darstellung des Blutes Christi, das Oberbild ein hl. Dionysius von unbekannter Hand.

Die Schlosskapelle wurde von Mag. Heidemarie Weixler-Unterer und Mag. Wolfgang Weixler im Auftrag der Ehegatten Spruzina renoviert und am 30.10.2015 vom Prälaten Univ.Prof. Hans Paarhammer gesegnet. Sie eignet sich besonders für Taufen und kleinere Hochzeiten.